Muskelfaserriss vs. Muskelzerrung


Hier wird der immer wieder zu Verwirrung führende Unterschied zwischen einer Muskelzerrung und eines Muskelfaserrisses erklärt. 

Muskelzerrung:

Bei einer Muskelzerrung handelt es sich nicht um eine Verletzung des Muskels. Er ist strukturell völlig intakt.
Auf Grund von Ermüdung, schlechtem Trainingszustand und/oder Überlastung kommt es im Muskel zu einer sogenannten lokalen Ischämie. Dies bedeutet, dass der Muskel nicht mehr richtig durchblutet wird, was unter Umständen massive Schmerzen zur Folge hat. Diese Minderdurchblutung ist Folge eines lokalen Krampfes in der Muskulatur.
Bei Fußballern z.B. führt dies dazu, dass sie immer wieder behandelt werden müssen aber dann doch noch einige Zeit weiterspielen können bevor sie aus dem Spiel genommen werden müssen.

Wird dieser Schmerz aber ignoriert, kann es durchaus zu einer richtigen Verletzung kommen. Dies wäre z.B. durch Eisspray oder andere schmerzdämpfenden Methoden möglich, mit denen das Warnsignal des Körpers ignoriert werden kann.

Die Therapie der Wahl bei einer Zerrung sind alle Maßnahmen, die die Durchblutung verbessern und fördern. Paralell sollte eine Trainingsform gewählt werde, die ebenfalls die Durchblutung fördert und den Tonus (Spannung) der Muskulatur eher senkt.
Ruhigstellung und Eis wäre hier völlig das Falsche.

Muskelfaserriss:

Muskelfaser = Muskelzelle. Ein größerer Muskel besteht aus Tausenden Muskelzellen/fasern, welche immer wieder zu sogenannten Muskelfaserbündel zusammengefasst werden. Jedes dieser Bündel hat eine eigene Blutversorgung. Dies bedeutet aber im Gegenzug, dass ein einzelner Faserriss nicht zu einem "Einbluten" ins Gewebe führt.
Jetzt bitte ich Sie sich einmal vorzustellen, dass vor Ihnen ein Haufen mit Tausenden 1cent Münzen liegt, und es nimmt jemand eine dieser Münzen weg - würden Sie den Unterschied sehen? NEIN - genausowenig kann ein einzelner Faserriss von einem Arzt im Ultraschall gesehen werden. Wenn der Arzt hier etwas sieht, dann handelt es sich mindestens um einen Bündelriss.

Was häufig erzählt wird ist, dass die Delle, welche sich bei den meisten Faserrissen bildet auf die Kontinuitätsunterbrechung des Muskels zurückzuführen ist. Dies entspricht nicht annähernd der Wirklichkeit. Tatsächlich registriert der Körper die Verletzung der Muskelfaser und inhibiert (hemmt) die komplette motorische Einheit, in der die Faser liegt, um eine ungestörte Heilung zu ermöglichen. Dieser völlige Tonusverlust eines ganzen Bündels ist dann als Delle in der Muskulatur zu sehen.
Hat jemand noch nach Wochen/Monaten diese Delle, ist dies ein Zeichen für falsche Nachbehandlung direkt nach der Verletzung. Es bedeutet nämlich, dass das komplette Bündel inhibiert (gehemmt) geblieben ist.

Woher wissen wir denn nun ob ein Muskelfaser- oder Bündelriss vorliegt?
Ganz einfach - bei einem Muskelfaserriss ist der Schmerz völlig ohne Vorboten, massiv und plötzlich einschießend. Meist ist ein Sturz des Sportlers die Folge. Weiter laufen, geschweige denn weiter spielen ist unmöglich. Bei einer Zerrung kann mit Willenskraft oft noch eine Weile durchgehalten werden.

Hier gestaltet sich die Therapie deutlich aufwendiger. Was auf jeden Fall nicht das Mittel der Wahl ist, ist Eis. Desweiteren sollte auf die Einnahme von entzündungshemmenden Mitteln verzichtet werden. Darüber hinaus ist es wichtig, den betroffenen Muskel ab spät. dem 2. Tag alle 4-6 Stunden für jeweils eine Minute rythmisch bis an die absolute Schmerzgrenze zu dehnen, um gewissen Vorgänge auf zellulärer Ebene zu fördern und in die richtige Bahn zu lenken. Im Prinzip läuft jetzt eine normale Wundheilung ab.

Wenn die Wundheilung normal abläuft, dann ist die Zellmembran der "neuen" Muskelzelle frühestens nach 21 Tagen geschlossen. D.h. aber auch, dass Sport auf keinen Fall vor Tag 21 nach Verletzung möglich ist. Meist dauert aber die Rehabilitation etwas länger.

Wenn Sie aber die optimalste Nachbehandlung ihrer Verletzung gewährleisten wollen, kommen Sie innerhalb von drei Tagen nach der Verletzung zu uns und wir beraten Sie gerne bezüglich des weiteren Vorgehens.